Brühler CSD ohne Mishpacha Colonia
PRESSEMITTEILUNG DER SYNAGOGEN-GEMEINDE KÖLN
PRIDE Brühl wirbt mit Vielfalt, Akzeptanz, Austausch und dem Mut zu unbequemen Positionen. Mishpacha Colonia wird dennoch fehlen. Jüdisch-queere Sichtbarkeit darf nicht von anderen definiert werden.
Brühler CSD ohne Mishpacha Colonia
Jüdisch-queere Sichtbarkeit darf nicht von anderen definiert werden
Köln, 28. August 2026 – Die Synagogen-Gemeinde Köln bedauert ausdrücklich, dass der Brühler CSD am 29. August ohne Mishpacha Colonia und damit ohne die jüdisch-queere Sichtbarkeit stattfinden wird, die das Netzwerk unter eigenem Namen und Logo einbringen wollte. Mishpacha Colonia war zunächst von der Teilnahme ausgeschlossen worden. Unter Vermittlung der Stadt wurde anschließend ein Kompromiss erzielt, der die Teilnahme ermöglichen sollte. Nachdem über dessen Umsetzung keine Einigung zustande kam und Mishpacha Colonia unter eigenem Namen und Logo weiterhin ausgeschlossen blieb, zog das Netzwerk schließlich seine Anmeldung zurück.
„Der Magen David gehört seit Jahrhunderten zum jüdischen Leben – lange bevor es den Staat Israel gab. Für Jüdinnen und Juden steht er für Gemeinschaft, Geschichte und Zugehörigkeit. Wenn die Kufiya beim Brühler CSD als Zeichen der palästinensischen Gemeinschaft getragen werden darf, muss das Gleiche auch für den Magen David auf einer Pride-Flagge gelten. Jüdische Menschen müssen zeigen dürfen, wer sie sind – ohne dass dabei mit zweierlei Maß gemessen wird“, erklärt Abraham Lehrer für den Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln und Vizepräsident des Zentralrats der Juden
Bürgermeister Dr. Marc Prokop hatte zwischen Mishpacha Colonia und PRIDE Brühl e. V. vermittelt. Mishpacha erklärte sich dabei unter anderem bereit, auf Israel-Flaggen, Informationsmaterial und die Teilnahme zweier benannter Vertreter zu verzichten. Im Gegenzug sollte sämtliche politische Symbolik des Nahostkonflikts ausgeschlossen werden. PRIDE Brühl e. V. wollte den gemeinsam erzielten Kompromiss anschließend jedoch nicht mehr umsetzen.
In seinem Schreiben vom 17. August würdigte Bürgermeister Dr. Prokop ausdrücklich „die große Kompromissbereitschaft der Vertreter von Mishpacha Colonia“.
PRIDE Brühl erklärte, jüdische und israelische Gruppen seien willkommen und gezielt eingeladen worden. Diese allgemeine Erklärung reicht jedoch nicht aus. Entscheidend ist, wie mit dem konkret betroffenen jüdisch-queeren Netzwerk umgegangen wurde: Mishpacha Colonia durfte weder unter seinem eigenen Namen und Logo noch mit den vorgesehenen jüdisch-queeren Flaggen teilnehmen. Ein Willkommen, dessen Bedingungen andere festlegen, ist keine gleichberechtigte Sichtbarkeit.
Nach den uns vorliegenden Informationen wurden Mishpacha zudem mehrere Pride-Flaggen untersagt. Diese verbinden die Regenbogenfarben mit dem Magen David, dem hebräischen Wort „Chai“ sowie dem Namen und Logo des Netzwerks; es handelt sich nicht um israelische Landesflaggen.
PRIDE Brühl störte sich nach Darstellung von Mishpacha auch an dessen Logo, das gestalterisch an das Emblem der israelischen Verteidigungsstreitkräfte erinnert und den Schriftzug „Defending Queer Rights“ trägt. Eine kritische Auseinandersetzung mit Symbolen ist legitim. Sie darf jedoch nicht dazu führen, dass anderen vorgeschrieben wird, welche Form jüdisch-queerer Selbstrepräsentation akzeptabel ist.
Die Synagogen-Gemeinde Köln dankt Bürgermeister Dr. Marc Prokop aufrichtig für seine intensiven Vermittlungsbemühungen. Zugleich verurteilt sie die Entscheidung von PRIDE Brühl e. V., Mishpacha Colonia die Teilnahme unter eigenem Namen und Logo zu verwehren, aufs Schärfste. Sie steht uneingeschränkt für die Rechte, die Sicherheit und die gesellschaftliche Anerkennung queerer Menschen – sichtbar, selbstbestimmt und ohne doppelte Maßstäbe.
Synagogen-Gemeinde Köln
Pressekontakt
Dr. Oren Osterer
Geschäftsführer
Synagogen-Gemeinde Köln
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