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Chanukka unter Eindruck der Bluttat von Australien

Chanukka Rathenauplatz
Felix Schotland und Bürgermeisterin Teresa De Bellis
Nach dem Attentat in Australien feierte die Synagogen-Gemeinde das Lichterfest auf dem Rathenauplatz

von Ingo Schmitz

Die erste Reaktion von Felix Schotland? „Ich war geschockt“, sagt das Vorstandsmitglied der Kölner Synagogen-Gemeinde. „Schon wieder ein Anschlag auf jüdisches Leben“, ging es ihm durch den Kopf, als er von dem Attentat in Australien erfuhr, bei dem ein Vater mit seinem Sohn 15 Menschen erschoss und mindestens 40 schwer verletzte. Danach war für Schotland der Gang zum Rathenauplatz kein leichter mehr, denn dort traf sich die jüdische Gemeinde um zu feiern, was auch die Ermordeten und Verletzten am Bondi Bench feiern wollten: das Chanukka-Fest.

Es ist geliebte und gelebte Tradition der Kölnerinnen und Kölner jüdischen Glaubens, das Lichterfest – wie Chanukka auch genannt wird – auf dem Rathenauplatz zu freiem. Don wird die erste von acht Kerzen on einem Chanukka Leuchter entzündet. Wir haben auch für den vergangenen Sonntag wieder Nachbarn und Freunde dazu eingeladen“, sagt Schotland.

Und natürlich habe er sich nicht der Bluttat am Bondi mal wieder die Fragen nach der Sicherheit stellen müssen. „Wir waren dazu im Kontakt mit der Polizei, die ihre Kräfte nochmals verstärkt hat“, berichtet das Mitglied des Synagogenvorstands.

Wunderbares Zeichen der Solidarität

Umso schöner sei es für ihn und die Gemeinde gewesen, dass sich trotz des schrecklichen Anschlags – oder gerade wegen – rund 400 Menschen auf dem Rathenauplatz versammelt hatten. „Es war ein wunderbares Zeichen der Solidarität“, ist Schotland auch noch einen Tag danach von der großen Zusammenkunft beeindruckt. Der Anlass für das Chanukka-Fest ist die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem. Doch das rückte am Sonntag ein wenig in den Hintergrund. „Unsere Gedanken waren bei den Menschen in Australien“, berichtet Schotland.

Die jüdische Gemeinde in Köln kann ihr Gemeindeleben nur unter großen Sicherheitsvorkehrungen führen. Die Lage hat sich seit dem Überfall von Hamas-Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem daraus entstandenen Gaza-Konflikt noch verschärft. Doch für Schotland und seine Gemeinde steht unverrückbar fest: „Wir wollen das jüdische Leben in Köln hochhalten. Wir leben hier, und wir müssen weitermachen.“

Gemeindevorstand Felix Schotland und Bürgermeisterin Teresa De Bellis sprachen beim Chanukka-Fest auf dem Rathenauplatz auch über das Attentat in Australien.

Unsere Gedanken waren bei den Menschen in Australien

Bürgermeisterin Teresa De Bellis vertrat die Stadt Köln beim Chanukka-Fest. In ihrer Ansprache stellte sie nochmals klar: „Für die Stadt Köln ist dieses Fest weit mehr als ein Eintrag im Kalender. Es ist Ausdruck unserer tiefen Verbundenheit mit der Synagogen-Gemeinde Köln und mit all jenen, die jüdisches Leben in unserer Stadt gestalten, bereichern und tragen.“

De Bellis ging auch auf die Bluttat am Bondi Beach ein: „Gerade in diesem Jahr und ganz besonders heute, nach dem erschütternden Anschlag in Australien, spüren wir, wie notwendig dieses Licht ist. Die gesellschaftliche Stimmung ist angespannt, Unsicherheiten und Ängste nehmen zu – und leider erleben wir auch, dass jüdische Bürgerinnen und Bürger wieder Anfeindungen ausgesetzt sind. Das ist nicht hinnehmbar.“ Die Bürgermeisterin versicherte der Gemeinde Solidarität: „Köln steht an der Seite seiner jüdischen Gemeinschaft.“

Dass jüdisches Leben in Köln seit Jahrzehnten – und nun noch verstärkt – nur unter massivem Schutz stattfinden kann, beklagt Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, immer wieder. Und der Anschlag in Australien ist für ihn ein erneuter, trauriger Anlass. „Der Antisemitismus nimmt weiter zu, bis tief in die Mitte unserer Gesellschaft“, mahnt Wilhelm. Mit Schrecken sieht der Vorsitzende, dass an Universitäten – auch an der Kölner Uni – dieser Antisemitismus seit dem jüngsten Ausbruch des Gaza-Konflikts geschürt werde. „Boykottaufrufe werden wieder modern“, so Wilhelm. „Unsere jüdischen Freunde leiden sehr darunter.“ Auch die Mitglieder der Synagogengemeinde würden in „Sippenhaft“ für eine Politik Israels unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu genommen. Dabei sei diese Politik selbst in Israel hoch umstritten, so Wilhelm.

Doch das alles dürfe nicht dazu führen, den Kopf einzuziehen. Wir müssen jetzt Flagge zeigen, unsere Solidarität mit der jüdischen Gemeinde nach außen tragen, so sein Aufruf.

Felix Schotland und Bürgermeisterin Teresa De Bellis sprachen beim Chanukka-Fest auf dem Rathenauplatz auch über das Attentat in Australien.

*Der Artikel ist aus der Kölnischen Rundschau, E-Paper vom 16.12.2025