לֹא בְחַיִל וְלֹא בְכֹחַ כִּי אִם בְּרוּחִי אָמַר יְהוָה צְבָאוֹת
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Städtepartnerschaft Köln – Tel Aviv

Die Kölner Stadtgeschichte ist in mehrfacher Hinsicht ein Spiegelbild der wechselvollen Beziehungen zwischen Deutschen und Juden. Kölner Persönlichkeiten wie Moses Hess, David Wolfssohn und Max Bodenheimer waren als herausragende Mitbegründer der zionistischen Bewegung Wegbereiter des Staates Israel.

In Köln nahmen auch die Beziehungen zwischen dem noch jungen Staat Israel und der ein Jahr jüngeren Bundesrepublik Deutschland im Mai 1953 ihren Anfang. Zwölf Jahre lang war die Stadt Sitz der „Israel-Mission“, der offiziellen Repräsentanz des Staates Israel.

Erste Kontakte zwischen Köln und Tel Aviv wurden bereits 14 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geknüpft. Diese Annäherung ist dem Engagement der damaligen Schuldezernenten der beiden Städte, Johannes Giesberts und Dr. Shaul Lewin, zu verdanken. Durch den Schüler- und Jugendaustausch zwischen Köln und Tel Aviv, der bereits im Jahr 1960 begann – also fünf Jahre vor der offiziellen Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel – wurde die Städtefreundschaft vorbereitet. Es war eine „vorpartnerschaftliche“ Beziehung, die beide Städte verband. 1975 wurde ein Tourismusabkommen vereinbart. Und 1979 wurde der Vertrag über die Städtepartnerschaft zwischen Köln und Tel Aviv-Yafo abgeschlossen. Durch die Gründung eines Städtepartnerschaftsvereins im Jahr 1995 wird diese auf der bürgerlichen Ebene mit Leben gefüllt und weiterentwickelt.

Im Vordergrund stehen Begegnungen der Bürger*innen sowie der Austausch von Fachleuten, die beide das gegenseitige Kennenlernen fördern sollen. So fanden bereits gegenseitige Besuche von Schüler-, Senioren- und Studentengruppen statt. Das Ziel ist, den Austausch in den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Tourismus und Soziales zu intensivieren und zu fördern.
Beide Städte spielen in wirtschaftlicher sowie kultureller Hinsicht eine besondere Rolle. Diese Gemeinsamkeiten machen Köln und Tel Aviv zu idealen Partnern, deren Austausch für beide Seiten eine Bereicherung ist.

Monika Möller, die seit 25 Jahren den Städtepartnerschaftsverein Köln – Tel Aviv leitet, und Manfred Gryschek, Schatzmeister des Vereins, teilen mit uns ihre langjährigen Erfahrungen und Eindrücke. Diese Einblicke zeichnen ein spannendes und vielfältiges Bild.

Frau Möller, wie kamen Sie persönlich zum Thema Israel? Wann sind Sie zum ersten Mal nach Israel gereist? Wie ist der Verein entstanden?
Als Jugendliche hatte ich vielfältigen Kontakt zu Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in meiner Geburtsstadt Koblenz, und darunter waren auch Menschen aus Israel. Das hat mich damals sehr fasziniert.
Auch die Beschäftigung mit deutscher Geschichte und dem Holocaust hat dazu geführt, dass ich mich für Religionswissenschaft sowie Judentum und die Geschichte Israels interessiert habe.
Ich engagierte mich in den Bereichen christlich-jüdischer Dialog und deutsch-israelische Beziehungen. Sehr früh wurde ich Mitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, war im Vorstand des deutschen Nes Ammim Vereins und habe früh angefangen Informationsveranstaltungen zu organisieren.
1986 war ich das erste Mal in Israel. Und als ich in den Kölner Rat kam, stellte ich 1994 fest, dass es noch keinen Verein für die Städtepartnerschaft mit Tel Aviv gab. Da habe ich mich sofort gemeldet, um die Partnerschaft zu betreuen und habe mit dem damaligen Kölner Oberbürgermeister Norbert Burger den Verein gegründet, der im Dezember 25 Jahre alt wird.
Sofort nach der Vereinsgründung habe ich mich dafür eingesetzt, dass Kontakte aufgenommen und ausgeweitet werden konnten. Inzwischen läuft das hervorragend – mit vielen Organisationen in Israel, vor allem mit der Stadt Tel Aviv. Es gab unzählige Austauschprojekte der verschiedensten Art und zu unterschiedlichen Themen.

Es macht mir nach wie vor viel Freude, vor allem sehr viele Menschen nach Israel zu bringen. Das ist ein wichtiges Moment: Viele haben keine Ahnung, was Israel ist, wie die Menschen sind, weil sie hier kaum Möglichkeiten haben Kontakte zu Menschen jüdischen Glaubens zu knüpfen. Das ist m.E. ein guter Weg, sich mehr damit zu beschäftigen – und jemand, der offen ist, tut es auch. Von diesen Reiseteilnehmern sind sehr viele anschließend in den Verein eingetreten. Und Menschen, die einmal in Israel waren, ändern oft ihre Einstellung – zum Positiven. Inzwischen war ich ungefähr 90 Mal in Israel.

Wie viele Menschen haben Sie nach Israel gebracht?
Die Gruppen sind unterschiedlich groß – schon etliche hundert.

Das heißt, Sie sind mehrmals pro Jahr da?
In der Regel bin ich einmal im Jahr mit einer Gruppe da, und dann mehrmals privat, auch während des Libanonkrieges. Im Laufe der Zeit haben sich sehr viele Freundschaften entwickelt. Meine besten Freunde und Freundinnen sind in Israel beheimatet. Durch die persönlichen Kontakte bleibt es nicht aus, dass ich auch zu Familienfeiern eingeladen werde, wie Hochzeiten, Bar oder Bat Mizwa-Feiern.

Sie sagten: „mittlerweile läuft alles wunderbar“ – gab es Schwierigkeiten?
Mit der Stadt Tel Aviv, unserer Ansprechpartnerin, gab es nie Schwierigkeiten. Von Anfang an bin ich gleichgesinnten Mitarbeiter*innen begegnet, die sehr kreativ wurden, wenn es darum ging Projekte umzusetzen. Ich bin dort immer auf offene Ohren und Interesse gestoßen, weshalb die Zusammenarbeit nach wie vor Freude macht. So viel Glück haben nicht alle Partnerschaftsvereine mit ihren Partnerstädten.

Wer unterstützt Ihren Verein und welche Unterstützung würden Sie sich wünschen?
Zum einen die Mitglieder – durch ihre Beiträge und auch ideell, zum anderen die Stadt Köln, durch ihr Amt für Internationales. Da würde ich mir manchmal etwas mehr Unterstützung wünschen, wobei ich das nicht in erster Linie monetär meine.

Ich hatte die Möglichkeit im letzten Jahr kostenfrei eine Bauhaus-Fotoausstellung nach Köln zu holen und wollte sie im Rathaus zeigen. Vom Amt für Internationales wurde ich an das Protokoll verwiesen. Von dort gab es nie eine Antwort. Verschiedene Zuständigkeiten erschweren mitunter die Zusammenarbeit. Zum Glück ist das in Tel Aviv einfacher, sodass ich Ähnliches dort noch nicht erlebt habe.

In diesen Jahren hat Ihr Verein sehr viele Veranstaltungen und Austauschmaßnahmen organisiert (um nur einige zu nennen: 25 Jahre Jugend- und Sozialarbeit, spezielle Jugendaustausche (z. B. benachteiligte Jugendliche), Chor-Austausche, Seniorenaustausch, Vermittlung neuer Schulpartnerschaften mit regelmäßigem Austausch seit 2000, Trilateraler Schüleraustausch; jährliche Studienreisen nach Israel für Kölner Bürger*innen, Kölner Karneval in Tel Aviv, Konzerte und Tourneen des Tel Aviver Jugendorchesters in Köln und NRW, zuletzt zum Offenbach-Jubiläum zusammen mit der Rheinischen Musikschule, mehrmals Folkloregruppen aus Israel in Köln und auf Tournee, Tel Aviver Ballett-Kompanie „Musa“ im Schauspielhaus Köln, Orna Porat mit Auftritt im Kölner Rathaus, Veranstaltung mit Tom Franz, Kunstausstellungen Tel Aviver Künstler im Rathaus, Mitveranstaltung 25 Jahre Ma‘alot und 110 Jahre KKL mit Tel Aviver Chor).

Ehrung für 40 Jahre Städtepartnerschaft durch OB Ron Huldai am 27.10.19 im Rat-haus Tel Aviv Foto: Radmila Abramov

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Dazu gehören die Austausche, wo die Teilnehmer*innen in Familien untergebracht waren. Wir waren dreimal mit dem Chor Sсhalom in Israel und die Gastgeber waren danach hier.
Aber auch die Seniorenaustausche: Wir waren mit einer Gruppe im Elternheim in Ramat Gan, wo meist deutschsprachige, fast ausschließlich Holocaustüberlebende der Reisegruppe gegenüber ihre Erlebnisse schilderten… Das sind Dinge, die unglaublich beeindrucken. Die kann man nicht vergessen.

In einem anderen Fall haben wir eine Gruppe alter Menschen aus Tel Aviv nach Köln eingeladen, die sehr wenig Geld zur Verfügung hatten – der Austausch wurde von Tel-Aviv zum Teil gesponsort. Sie waren glücklich, eine Woche hier zu sein und von uns betreut zu werden. Eine der Teilnehmerinnen glaubte zu wenig Rente aus Deutschland zu bekommen. Ich habe mir ihre Rentenpapiere in Tel Aviv besorgt, habe das juristisch überprüfen lassen und dann ist tatsächlich eine Nachzahlung rausgekommen. Es sind sehr viele kleine Facetten, die mich mit diesem Land und seinen Menschen verbinden. Das motiviert immer wieder etwas Neues zu beginnen und den Kreis derjenigen zu erweitern, die Kontakt miteinander suchen und aufnehmen können.

Wie stellen Sie z.B. diese Gruppe zum Seniorenaustausch auf?
Oft werden Wünsche und Vorschläge an mich herangetragen, in Tel Aviv oder in Köln. Überall dort, wo ich über das Thema Städtepartnerschaft Köln-Tel Aviv ins Gespräch komme und auf Interesse stoße, mache ich Vorschläge. So sind z. B. auch einige Kunstausstellungen zustande gekommen. Es läuft einfach viel über persönliche Kontakte und Netzwerke.

Der Friedenskindergarten ist eines der größten Projekte – gibt es etwas Neues, besondere Ereignisse, die Sie erwähnen möchten?
Vor einigen Jahren kam ich mit dem Künstlerpaar nach Tel Aviv, das Dialog zwischen Muslimen, Juden und Christen durch seine Kunst fördern möchte. Diese Künstler haben den „Engel der Kulturen“ kreiert, der bereits in vielen europäischen Städten gewirkt hat und mit einer in die Erde eingelassenen Plakette des „Engelrades“ dauerhaft sichtbar bleibt. Sie hatten die Idee, auch eine Plakette in Tel Aviv zu installieren. Das war nicht möglich, und dann kam mir die Idee, den „Engel der Kulturen“ in den Friedenskindergarten zu holen. Das wurde eine sehr schöne Aktion für die Kinder; die Künstler haben das auf eigene Kosten gemacht.
Die Kinder wurden auch pädagogisch mit der Symbolik konfrontiert, was z.B. dazu geführt hat, dass die Künstler nach dem „Engelrad“ Backformen fertigten. Nun können sie im Kindergarten den „Engel der Kulturen“ als Kuchen backen.

Wir als Verein haben seit 2012 Spenden gesammelt für die Sanierung des Kölner Kindergartens. 2019 konnten wir die Aktion abschließen mit einer Spendensumme an die Stadt Tel Aviv über 55.000 €, die sie verdoppelt hat. Die Einrichtung wurde inzwischen hervorragend saniert.
Die Mitarbeiter*innen dort sind sehr stolz, dass der Kindergarten so viel Interesse findet. Eltern, die diesen Kindergarten besucht hatten, schicken mittlerweile auch ihre Kinder dorthin.

Wie viele Kinder sind es?
Zwei Gruppen je 25 Kinder, 1,5 – 3 und 3 – 5 Jahre alt. Der Kindergarten würde mehr Kinder aufnehmen. Platz ist noch da für einen Anbau, aber das Geld fehlt. Interesse besteht auch, weil Eltern ihre Kinder aus entfernteren Straßen in Tel Aviv bewusst dahin bringen.

Zur Geschichte: 1988 wurde Tel Aviv durch die Stadt Köln ein neues Gebäude für den Kindergarten in Yafo geschenkt; es heißt „Cologne Day Care Peace Center“. Trägerin der Einrichtung ist die israelische Frauengewerkschaft Na‘amat.
Ausgangspunkt ist die Gleichwertig-keit der arabischen und der jüdischen Kultur. Folglich werden jeweils 50% jüdische und 50% arabische Kinder aufgenommen, wobei die arabischen Kinder sich je zur Hälfte in christliche und muslimische aufteilen. Auch die Erzieherinnen werden nach diesem Verhältnis eingestellt, sodass es für jede Gruppe mindestens eine jüdische und eine arabische Erzieherin gibt. Ein weiterer Baustein des Konzeptes ist die Bilingualität.
Kinder lernen alle drei abrahamitischen Religionen kennen, gleichzeitig werden den Kindern religionsübergreifende Werte und Ideale vermittelt, wie Nächs-tenliebe, Vergebung oder Freiheit 1.

Monika Möller mit dem israelischen Koch Tom Franz (li.) Foto: Marion Sollbach

Könnten Sie etwas über Ihre Pläne und bevorstehenden Projekte erzählen?
Wir hatten vor, dieses Jahr das 60-jährige Jubiläum des Schüleraustausches zu feiern, ebenso unser 25-jähriges Vereinsbestehen. Das müssen wir leider wegen Corona auf nächstes Jahr verschieben und werden dann versuchen, den Termin für die Jubiläumsfeier des Schüleraustausches in das nächste Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ zu integrieren. Wir haben einen Antrag an den Verein „321“ gerichtet.

Wir möchten unter dem Titel „Be in Touch“ eine virtuelle Konferenz mit Austauschschülern in Tel Aviv und Köln durchführen, die pädagogisch und wissenschaftlich vorbereitet und begleitet werden soll. Außerdem planen wir die beiden Jugendorchester Köln und Tel Aviv, die sich vom gemeinsamen Konzert im Offenbach-Jahr kennen, in diese Veranstaltung einzubeziehen, sodass in Tel Aviv live dasselbe gespielt wird, wie in Köln. Wir hoffen, das Ganze im Funkhaus des WDR veranstalten zu können.
Aufgrund der Pandemie musste auch der diesjährigen Reisegruppe abgesagt werden. Wir hoffen, die Studienreise im nächsten Jahr nachholen zu können.

Möchten Sie etwas über die Vereinsmitglieder erzählen?
Unsere Mitglieder gehen den verschiedensten Berufen nach. Nicht wenige treten in den Verein ein, weil sie an unseren Reisen oder an Austauschen teilgenommen haben oder weil sie einfach nur unsere Arbeit unterstützen wollen. Wir haben auch Mitglieder aus allen fünf Rathaus-Fraktionen, und die Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen Yvonne Gebauer ist Vereinsmitglied.

Die SGK ist ebenfalls Mitglied sowie einzelne Mitglieder der SGK auch…
Unser Vorstand arbeitet seit vielen Jahren gut zusammen. Das Engagement von Manfred Gryschek ist in Tel Aviv hoch geschätzt. Er ist Gründungsmitglied des Vereins und von Anfang an Schatzmeister. Er ist seit vielen Jahren zuständig für den Fachkräfteaustausch und hat ausgezeichnete organisatorische Talente. Wir haben beide unsere Schwerpunkte mit einer sehr guten Aufteilung der Arbeit. Wir denken, dass wir sicherlich einer der aktivsten von allen Städtepartnern sind, die Tel Aviv hat.

Sie haben erwähnt, dass Sie einen Preis bekommen haben?
Zwei Mal wurde ich ausgezeichnet. Die Urkunde „Friend of Tel Aviv – Yafo“ habe ich von Bürgermeister Ron Huldai bekommen – das war zur 50. Reise nach Israel und im Rahmen einer wunderschönen Veranstaltung im Tel Aviver Rathaus. Viele Menschen, mit denen ich Kontakt hatte oder freundschaftlich verbunden bin, waren eingeladen und kamen mit kleinen persönlichen Geschenken. Es war sehr emotional für mich, und es ist immer wieder diese Herzlichkeit, die dort herrscht und gut tut.

Anlässlich 40 Jahren Städtepartnerschaft im vergangenen Jahr wurde ich zusammen mit meiner 33-köpfigen Reisegruppe – unter anderem einigen Kölner Kommunalpolitikern – ins Tel Aviver Rathaus zu einer kleinen Feier eingeladen. Ebenfalls eingeladen war die deutsche Botschafterin. Bei dieser Veranstaltung habe ich von Bürgermeister Ron Huldai eine Medaille bekommen.

Möchten Sie etwas ergänzen?
Ich würde gerne im Lotto gewinnen, damit ich mir eine Wohnung in Tel Aviv leisten kann. Das würde ich sofort machen.

Vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!
Das Interview führte N.M.

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