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Synagogen-Gemeinde Köln > Historie > Jüdisches Leben in Köln

Ein Historischer Überblick

Jüdisches Leben in Köln - von der Antike bis Heute


Antike

Schreiben Kaiser Konstantins v. 321 n. d. Z.
Schon in der Antike gab es eine jüdische Gemeinde in Köln. Das beweisen zwei Dekrete Kaiser Konstantins aus den Jahren 321 und 331 n.d.Z., die im Kodex Theodosianus überliefert sind. Im Dekret von 321 heißt es:
An den Rat der Stadt Köln. Allen Behörden gestatten wir durch allgemeines Gesetz, die Juden in den Stadtrat zu berufen. Damit ihnen aber eine gewisse Entschädigung für die frühere Regelung verbleibe, lassen Wir es zu, daß immer zwei oder drei das Vorrecht genießen sollen, durch keinerlei Berufung in Anspruch genommen zu werden.


Dieser Text ist der früheste historische Beweis für die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Deutschland. Wo diese Gemeinde ihre Synagoge und ihren Friedhof hatte, war bisher nicht bekannt. Nach neuesten Überlegungen befand sich schon das antike Gemeindezentrum auf dem heutigen Rathausvorplatz.

Mittelalter

Steinerne Wiedergabe einer Urkunde des Erzbischofs Engelbert von Falkenburg (1266) im Dom. Erzbischof Engelbert II sichert den Juden gerechte Behandlung und die ungestörte Benutzung ihres Friedhofes an der Bonner Straße zu.
Steinerne Wiedergabe einer Urkunde
Im Mittelalter lag das jüdische Viertel innerhalb der Straßenzüge:
Kleine Budengasse, Unter Goldschmied, Obenmarspforten und Judengasse,
ungefähr im heutigen Rathausbereich. Bei den Ausgrabungen, die dort 1953-1957 durchgeführt wurden, stieß man neben Privathäusern auf die öffentlichen Ge­bäude der Gemeinde: Synagoge, Mikwe (Ritualbad), Badestube, Bäckerei, Hochzeits- und Spielhaus und Hospiz. Heute sind die Grundrisse dieser Gebäude in der Pflasterung kenntlich gemacht. Die Mikwe wurde restauriert und kann besichtigt werden.


Die Ausgrabungen bezeugen die wechselvolle Geschichte der Kölner Juden. So fand man archäologische Reste von mindestens vier Synagogenbauten, die immer wieder an der gleichen Stelle errichtet wurden. Im Jahre 1096 wurde die Synagoge bei den Ausschreitungen gegen die Juden während des Ersten Kreuzzuges zerstört. Viele zeitgenössische Quellen berichten, daß die Überlebenden trotz aller Verzweiflung und Trauer das Kreuzzugspogrom noch als vorübergehendes Unheil betrachteten. Sie kamen in ihr Viertel zurück, bauten die zerstörten Gebäude wieder auf und nahmen ihre Geschäfte wieder auf.


Im 12. und 13. Jahrhundert nahm die Kölner Gemeinde einen stetigen Aufschwung. Wie die christlichen profitierten die jüdischen Kaufleute von der Bedeutung Kölns als einer der wichtigsten Handels- und Messestädte des Reichs. Aus den hohen Aufnahme- und Schutzgeldern an den Erzbischof und die Stadt kann man schließen, daß die Kölner jüdische Gemeinde damals eine der reichsten in Deutschland war.
Als Kölner Bürger konnten Juden auch Grundbesitz erwerben. In den Schreinsakten (einer Art Grundbuch) sind um 1130 im jüdischen Viertel 26, im Jahre 1340 75 Häuser als jüdischer Besitz verzeichnet. Um 1270 wurde die nach 1096 wieder aufgebaute Synagoge umgestaltet: An der Nordostecke erhielt sie einen Anbau für die Frauen, der Eingang wurde verlegt, die Bima (Lesepult für die Tora-Lesung) unterkellert.


Neben der wirtschaftlichen Bedeutung hatte Köln auch einen guten Ruf in punkto Gelehrsamkeit. In der Überlieferung wird von den „Weisen Cöllns“ gesprochen, deren Rat oft von weither eingeholt wurde. Der Friedhof der mittelalterlichen Gemeinde lag außerhalb der Stadtmauern am Bonntor. Er wird in einem Privileg des Erzbischofs Engelbert von Falkenburg aus dem Jahre 1266 erwähnt, das in Stein gehauen noch heute im Kölner Dom zu sehen ist. Darin sichert Engelbert II. den Juden gerechte Behandlung und die freie und ungehinderte Benutzung ihres Friedhofes zu. Reste dieses Friedhofes wurden erst 1922 wiederentdeckt, 1936 ließ die Stadt auf diesem Gelände eine Großmarkthalle errichten.Seit dem frühen 14. Jh. wuchsen anscheinend die Spannungen zwischen Christen und Juden stark an, die schließlich wäh­rend der Pestepidemie gewaltsam zum Ausbruch ka­men. Da sich niemand die Ursache dieser bisher unbekannten Seuche erklären konnte, entstanden zahlreiche Gerüchte und Spekulationen. Die größte Verbreitung fand der Vorwurf gegen die Juden: Sie hätten die Brunnen vergiftet und dadurch die Pest verursacht. Auch in Köln kam es zu Gewalttaten ungekannten Ausmaßes. Am 23./24. August 1349 wurde das jüdische Viertel zerstört, die meisten seiner Bewohner umgebracht. Weder der Rat noch das Domkapitel verurteilten das Massaker an den Juden. Den verwaisten Besitz der Getöteten beanspruchten aber so­wohl die Stadt als auch der Erzbischof und Adlige der Umgebung.


Erst 1372 wurden in Köln wieder einige jüdische Familien aufgenommen, und noch einmal baute man die Synagoge auf.Das Ende der mittelalterlichen Gemeinde wurde am 16. August 1423 besiegelt. Der Rat der Stadt Köln beschloß, den Juden den im Oktober 1424 ablaufenden Aufenthaltsvertrag nicht mehr zu verlängern. Hintergrund dieser Vertreibung waren die Auseinandersetzungen zwischen dem Erzbischof und dem Rat der Stadt Köln um das Recht an den Juden und damit um Einkünfte und das Stadtregiment.Nach der Ausweisung siedelten sich viele Kölner Juden in Deutz an, wo sie unter dem Schutz des Erzbischofs Dietrich von Moers (1414-1463) eine Gemeinde bildeten. In Köln durften sich bis zur Besetzung durch das französische Revolutionsheer 1794 keine Juden mehr niederlassen. Die Synagoge wurde nach einem Umbau am 8. September 1426 als Ratskapelle St. Maria in Jerusalem eingeweiht.

Die Synagogen in Deutz und Mülheim

Synagoge an der Deutzer Freiheit (1786-1914)
(Foto: Carl Scholz, um 1910)
Die Deutzer Synagoge, urkundlich seit dem 16. Jh. belegt, stand nahe am Rheinufer.
Im Februar 1784 wurde sie durch Hochwasser und Treibeis zerstört. Zwei Jahre später er­richtete die Gemeinde an gleicher Stelle eine neue Synagoge.
Als 1914 die Hindenburg-Brücke (heute Deutzer Brücke) gebaut wurde, mußte sie abgerissen werden. Als Ersatz konnte ein Jahr später am Reischplatz 6 die dritte Deutzer Synagoge eingeweiht werden.


Auch in Mülheim wurde eine kleine Synagoge, Mülheimer Freiheit 78,  beim Eisgang von 1784 zerstört. Eine neue Synagoge wurde zwei Jahre später an gleicher Stelle eingeweiht.
Innenraum der Synagoge an der Deutzer Freiheit (1786-1914) mit Dr. Julius Simons vor dem Tora-Schrein und dem Kantor auf der Bima.

Neuzeit

Mit dem Einmarsch des französischen Revolutionsheers 1794 gelangten das Gedankengut der Emanzipation und die liberale Gesetzgebung der Französischen Revolution auch nach Köln. Die neuen freiheitlichen Ideen verboten es, Menschen wegen ihrer Religion zu diskriminieren. Dies betraf im katholischen Köln neben den Protestanten besonders die Juden.

1798 erhielt das erste jüdische Ehepaar die Erlaubnis, in Köln ansässig zu werden; im Oktober 1801 konstituierten 18 Familien die erste Kölner Gemeinde der Neuzeit. Das prominenteste Gründungsmitglied war der Bankier Salomon Oppenheim.


Als erste Betstube dienten bescheidene Räume in der Glockengasse. Das Wachstum der Gemeinde von 133 Personen im Jahr 1808 auf knapp 2000 um 1850 sowie die Baufälligkeit des bis dahin genutzten Gebäudes machten einen Neubau erforderlich.