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Jüdischer Friedhof

„Der Gerechte lebt in seinem Glauben.“ (Inschrift am Friedhofsgebäude Bocklemünd)

Der Jüdische Friedhof Bocklemünd wurde 1918 eröffnet und wird bis heute als jüdische Begräbnisstätte genutzt. Heute befinden sich auf dem Bocklemünder Friedhof rund 6.000 Gräber.

Auf den Grabsteinen findet der Besucher eine Reihe prominenter Namen, wie etwa den des Warenhaus-Gründers Leonhard Tietz und des renommierten Kölner Soziologen Alphons Silbermann. Auch Franz Herschtritt, großzügiger Gönner und Namensgeber der Kindertagesstätte der Gemeinde, ist hier beigesetzt. 

Friedhofsgebäude und Trauerhalle schuf der bedeutende Kölner Architekt Robert Stern in den Jahren 1927 bis 1929 mit deutlich neoklassizistischen Tendenzen. Stern zeichnete auch verantwortlich für die Ehrenfelder Synagoge in der Körnerstraße, die in der Reichspogromnacht zerstört wurde, und den berühmten Pavillon der „Jüdischen Sonderschau“ auf der „Pressa“ 1928. 

Auf dem Bocklemünder Friedhof findet sich eine große Anzahl an historisch und künstlerisch wertvollen Grabdenkmälern. 


Drei der Denkmäler seien hier hervorgehoben:

  • Auf der Mittelallee stand das Denkmal von Franz Lipensky, das an die Zerstörung der Kölner Synagogen erinnerte. Die 750 kg schwere Bronzeplastik, welche am 15. November 2010 gestohlen wurde, setzte sich zusammen aus sechs Davidsternen für die sechs Millionen ermordeter Juden, einer Menora als Zeichen des Judentums, einer zerstörten Torarolle und einem Mauerfragment als Symbole für die Zerstörung der Synagogen in der Reichspogromnacht. Während der Zeit des Nationalsozialismus hatten Gemeindemitglieder Ritualgegenstände wie Torarollen, Gebetsriemen und Schofarhörner auf dem Gelände des Friedhofs versteckt. Nachdem der damalige Gemeinderabbiner Levinger die noch vorhandenen Gegenstände 1978 aufgrund eines Hinweises wiederentdeckt hatte – weitgehend zerfallen und vermodert –, setzte man die Gegenstände am Ende der Mittelallee bei und errichtete darüber das Denkmal. 

  • Das Denkmal für die jüdischen Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs, gestaltet von Robert Stern, wurde am 8. Juli 1934 eingeweiht. Es war von der Ortsgruppe Köln des Reichsbunds Jüdischer Frontsoldaten gestiftet und mit Unterstützung der Synagogen-Gemeinde Köln errichtet worden. Auf dem monumentalen, pyramidenförmigen Stein, der am Ende der Mittelachse des Friedhofs steht, kann man die Inschrift lesen: 
    „Unseren Gefallenen – Reichsbund Jüd. Frontsoldaten.“
    Links vor dem Ehrenmal von 1934 steht die am 21. September 1924 eingeweihte Gedenktafel mit den Namen der 230 im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder der Synagogen-Gemeinde. Bis zur Zerstörung der Synagoge in der Roonstraße war sie dort in einer Gedenkhalle aufgestellt. 

  • Am Ende der Mittelallee steht das große, hochragende Ehrenmal für die Opfer der Shoah aus Köln, das in den Fünfzigerjahren aufgestellt wurde. Der etwa fünf Meter hohe Pfeiler trägt auf den niedrigen flankierenden Platten eine Inschrift in hebräischer und deutscher Sprache:

    „Zum Andenken an die über 11.100 Schwestern und Brüder unserer Gemeinde, die als Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns für das Judentum in den Jahren 1933 bis 1945 gefallen sind. Synagogen-Gemeinde Köln“

    Eine weitere Tafel in der Mitte des Ehrenmals erinnert an den letzten Rabbiner der Synagogen-Gemeinde vor dem Holocaust: 

    „Unserem letzten von 1908-1942 amtierenden Rabbiner Dr. Isidor Caro, der mit vielen Gemeindemitgliedern den Märtyrertod in Theresienstadt fand. In dankbarer Verehrung, Synagogen-Gemeinde Köln.“
In einem kleinen, 1936 erbauten Lapidarium („Steinhaus“) werden Fragmente von Grabsteinen des mittelalterlichen Friedhofs „Am Bonntor“ aufbewahrt. Der Friedhof – 1143 erstmals erwähnt, 1695 geschlossen – befand sich an der Bonner Straße, etwa in der Höhe des heutigen Großmarkts. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts stieß man bei Erweiterungsarbeiten der Reichsbahnanlagen an der Bonner Straße zufällig auf Bruchstücke alter Grabplatten und Knochen. Der Friedhof wurde verkleinert und die Gebeine nach Bocklemünd umgebettet. Im Jahr 1936 mußte der Friedhof komplett aufgelassen werden, da die Stadt Köln dort die Markthallen bauen wollte. Die restlichen Gebeine bestattete man ebenfalls auf dem Jüdischen Friedhof in Bocklemünd, die noch vorhandenen Grabsteine wurden in die Wände des Lapidariums eingelassen. 

Nachfolger des mittelalterlichen Friedhofs am Bonntor wurde der Jüdische Friedhof in Deutz. Hier bestatteten Juden in und um Köln ihre Verstorbenen ab 1695 bis in die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts hinein. Auch hier findet der Besucher prominente Mitglieder der Kölner jüdischen Gemeinde, so etwa Isaac Offenbach, Kantor an der Synagoge in der Glockengasse und Vater von Jacques Offenbach, Moses Hess (1961 Überführung der sterblichen Überreste nach Israel) und Mitglieder der Bankiersfamilie Oppenheim. 

Insgesamt gehören zur Synagogen-Gemeinde Köln 37 Friedhöfe, davon sechs im Stadtgebiet (Bocklemünd, Deckstein, Deutz, Ehrenfeld, Mülheim und Zündorf). Die Pflege der Friedhöfe außerhalb Kölns übernehmen Kommunen in Absprache mit der Gemeinde. 

Die Gemeinde bietet Führungen über den Friedhof in Bocklemünd an. Bei Interesse kann auch der Deutzer Friedhof im Rahmen einer Führung besucht werden. Die Führungen werden auf Nachfrage durchgeführt.


Öffnungszeiten Jüdischer Friedhof Köln-Bocklemünd:

1. April bis 31. Oktober 1. November bis 31. März

Sonntag und an gesetzlichen Feiertagen

Montag - Donnerstag

Freitag

9:30-18:00Uhr

 

8:30-18:00Uhr

8:30-14:00Uhr

Sonntag und an gesetzlichen Feiertagen

Montag - Donnerstag

Freitag

9:30-17:00Uhr

 

8:30-17:00Uhr

8:30-14:00Uhr


An den Vorabenden von Schabbat und jüdischen Feiertagen ist der Friedhof bis 14:00 Uhr geöffnet.
Am Schabbat und an den jüdischen Feiertagen bleibt der Friedhof geschlossen.

Informationen zu den abweichende Öffnungszeiten 2014 finden Sie hier.

Friedhofsverwaltung:
Daniel Lemberg

Jüdischer Friedhof der Synagogen-Gemeinde Köln
Venloer Straße 1152 
50829 Köln-Bocklemünd

Telefon: +49 221 508119

FAX      : +49 221 9925465


E-Mail: friedhof [at] sgk.de