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Feiertage

Die Hohen Feiertage: Rosch ha-Schana und Jom Kippur

Im Gegensatz zu den meisten anderen wichtigen jüdischen Festen sind die "Hohen Feiertage", Rosch ha-Schana (das Neujahrsfest) und Jom Kippur (der Versöhnungstag) nicht mit nationalen historischen Ereignissen verknüpft, sondern Symbol dafür, dass Gott der König des Universums und Richter über alles Tun des Menschen ist.

Rosch ha-Schana (wörtlich: „Kopf des Jahres“, Neujahr)
Das jüdische Neujahrsfest dauert zwei Tage (1./2. Tischri). Es ist ein Tag des Gerichts. Es heißt, drei Bücher würden an Neujahr geöffnet: Ins Buch des Lebens werden die Gerechten eingeschrieben, ins Buch des Todes die gottlosen Sünder. Das dritte Buch ist für die Mittelmäßigen bestimmt, die sowohl Sünden als auch Verdienste aufweisen. Das endgültige Urteil über sie bleibt vom Neujahrstag bis zum Versöhnungstag offen. In diesen zehn Bußtagen, die auch die „Furchtbaren Tage“ genannt werden, können sie ihr Schicksal durch Reue, Buße und Umkehr wenden. So wünscht man sich an Neujahr: „leschana towa tikatewu“, „zu einem guten Jahr möget ihr eingeschrieben sein“ (ins Buch des Lebens).
Charakteristisch für das Neujahrsfest ist das Blasen des Schofars (Widderhorn), das zu ernster Selbstprüfung aufruft. Es ist Brauch, an Neujahr besondere Speisen zu verzehren, zum Beispiel ein Stückchen Apfel in Honig zu tauchen und zu sprechen: „Möge dieses Jahr so süß sein wie der in Honig getauchte Apfel.“

Jom Kippur
Der Versöhnungstag am 10. Tischri ist der Höhe- und Endpunkt der zehntägigen Bußzeit, die an Neujahr beginnt. Er ist der höchste und heiligste Feiertag des Jahres, ein strenger Fasttag, der im Gebet in der Synagoge verbracht wird. Man betet um Vergebung der Sünden, die man gegen Gott, die Mitmenschen und sich selbst begangen hat. Wichtige Gebete sind das Widdui (Sündenbekenntnis) und das Kol Nidre („Alle Gelübde“); nach dem zusätzlichen Ne’ila-Gebet endet der Jom Kippur mit erneutem Blasen des Schofars. 

Schofar (Widderhorn)
Schofar (Widderhorn)

Die Wallfahrtsfeste: Pessach, Schawuot und Sukkot

Die drei Wallfahrtsfeste wurden von den Israeliten zur Zeit der beiden Tempel mit einer Pilgerfahrt nach Jerusalem und Darbringung von Opfern begangen. Alle drei Feste fallen mit wichtigen Phasen in der Landwirtschaft (dem Beginn des Agrarjahres, der Ernte der ersten Feldfrüchte sowie der Obst- und Weinernte) und zentralen Ereignissen des Auszugs der Israeliten aus Ägypten zusammen. In der Diaspora wurde diesen Feiertagen wegen der Unsicherheit in Kalenderfragen ein weiterer Tag hinzugefügt. 


Mazzot (ungesäuerte Brote)
Mazzot (ungesäuerte Brote)
Pessach (Fest der Freiheit, Fest der ungesäuerten Brote, Frühlingsfest)
Zehn Plagen waren nötig, um den Pharao zu überzeugen, das jüdische Volk ziehen zu lassen. Pessach bedeutet „Überschreiten“, denn Gott hat bei der zehnten Plage die Häuser der Israeliten „überschritten“ und ihre Erstgeborenen verschont. 
Das Pessach-Fest wird vom 14. bis 21., in der Diaspora vom 14. bis 22. Nissan zum Gedenken an den Auszug aus Ägypten und die Befreiung aus der Sklaverei gefeiert. Es beginnt mit einer besonderen Mahlzeit, die Seder (Ordnung) genannt wird, weil alles bei diesem festlichen Abendessen einer genauen Ordnung folgt. Jeder am Tisch bekommt eine Haggada (Erzählung), ein Buch, das vom Auszug aus Ägypten erzählt und wie ein Programm durch den Abend führt. 
Auf dem Tisch steht der Seder-Teller, auf dem alle symbolischen Speisen angerichtet sind, die im Verlauf des Abends gezeigt, gekostet und gedeutet werden: Seroa, ein Stück gebratener Knochen, zur Erinnerung an das Pessach-Opfer; Maror, Bitterkraut, als Symbol für die Bitternis der Sklavenarbeit; Charosset, ein Mus aus Äpfeln und Nüssen, dessen lehmartige Farbe und Konsistenz an die Lehmziegel erinnert, mit denen die Israeliten die Städte für die Ägypter bauen mussten; Beiza, ein Ei, als Erinnerung an die Tempelopfer und als Symbol der Trauer; Salzwasser als Tunke zur Erinnerung an die vergossenen Tränen in der Knechtschaft; Karpass, Petersilie oder Sellerie; drei Mazzot (ungesäuerte Brote). Sie symbolisieren Cohen, Levi und Israel und damit die Gesamtheit des jüdischen Volkes. Es ist eine Besonderheit des Pessach-Festes, dass während der ganzen Festwoche nur ungesäuertes Brot gegessen wird, um an den eiligen Auszug aus Ägypten zu erinnern, als keine Zeit blieb, den Teig säuern zu lassen.
Auf den Seder-Tisch gehört außerdem noch Wein. Jeder soll im Verlauf des Abends vier Gläser, bequem auf Kissen gelehnt, trinken. Das Anlehnen gilt als Zeichen der Befreiung, weil bei antiken Gastmählern die privilegierten Freien halb liegend aßen, während die Sklaven stehen mussten. 


Schawuot (Wochenfest) 
Der Name Wochenfest kommt von den sieben Wochen, die von Pessach bis Schawuot gezählt werden. Das Fest wird am 6. Siwan (Diaspora: 6./7.) gefeiert. Es erinnert an die göttliche Offenbarung am Sinai, bei der die Tora gegeben wurde. Daher ist es Tradition, die ganze Nacht mit dem Studium der Tora zuzubringen und beim Morgengottesdienst die Zehn Gebote in den Mittelpunkt der Tora-Lesung zu stellen. Zugleich ist Schawuot aber auch das Fest der Erstlingsfrüchte. Der Brauch, die Synagoge und die Häuser mit Blumen und frischem Grün auszuschmücken, hängt mit dem Erntecharakter des Festes zusammen. Das Buch Ruth wird nicht zuletzt deshalb an Schawuot gelesen, weil darin Szenen aus dem Ernteleben beschrieben sind. 

Sukkot
Sukkot verdankt seinen Namen der Laubhütte (hebr. Sukka, Plural Sukkot), dem wichtigsten Symbol des Festes. Das geht auf ein Gebot der Tora zurück: „Sieben Tage sollt ihr in Laubhütten wohnen..., dass eure Nachkommen wissen, wie ich die Kinder Israels habe in Hütten wohnen lassen, als ich sie aus Ägyptenland führte.“ (Levitikus 23,42f.) Das Wohnen in der Laubhütte vom 15. bis 22. bzw. 23. Tischri soll, wie die symbolischen Speisen an Pessach, jeden Juden daran erinnern, dass seine Vorfahren auf dem Weg in die Freiheit 40 Jahre lang in provisorischen Hütten wohnten. Das zweite Festsymbol ist ein Pflanzenstrauß (hebr. Lulaw), der daran erinnert, dass auch Sukkot ursprünglich ein Erntefest war. Die vier Pflanzen des Straußes stehen stellvertretend für die gesamte Pflanzenwelt, für die man Gott dankt. Vor dem Gebet, besonders vor den Psalmen beim Morgengebet, schüttelt man den Lulaw in die vier Himmelsrichtungen. 
Am letzten Tag von Sukkot gibt es ein Schlussfest, Simchat Tora (Fest der Tora-Freude), an dem der letzte Abschnitt der Tora (Deuteronomium 34) im Gottesdienst gelesen und sofort der Zyklus mit Genesis 1 begonnen wird. Im Anschluss daran feiert man die fortwährende Freude an der Tora mit fröhlichen Umzügen durch die Synagoge. 

Die historischen Feste: Chanukka und Purim

Chanukka
Chanukka („Einweihung“), ein achttägiges Lichterfest, erinnert an die Wiedereinweihung des Tempels durch Juda Makkabi nach der Entweihung durch die hellenistischen Seleukiden (165 v. d. Z). Nach einer talmudischen Legende fanden die Makkabäer im Tempel noch ein Fläschchen mit reinem Öl, das für einen einzigen Tag reichte. Doch dann brannte der Tempelleuchter mit diesem Öl acht Tage lang, genug Zeit, um neues, rituell reines Olivenöl zu pressen. Zur Erinnerung an dieses Wunder werden an Chanukka vom 25. Kislew an acht Tage lang an einem besonderen Leuchter, der Chanukkia, Lichter angezündet – am ersten Tag eins, am zweiten zwei und so weiter, bis am achten Festtag alle Lichter brennen. Zum Anzünden der Kerzen oder Öldochte dient ein zusätzliches neuntes Licht, der so genannte Schammasch (Diener). 

Purim
Purim ("Lose") wird am 14. und 15. Adar gefeiert. Das fröhliche Fest erinnert an die Errettung der persischen Juden vor der Vernichtung. Wie das Buch Esther berichtet, hatte der Judenfeind Haman ein Los (Pur) geworfen, um das Datum zu bestimmen, an dem alle Juden im persischen Reich getötet werden sollten. Die Jüdin Esther, eine Lieblingsfrau des Herrschers, konnte diesen Plan jedoch vereiteln und ihr Volk retten. 
Charakteristisch für das Purim-Fest ist das Vorlesen der Esther-Rolle und der Brauch, dass die Kinder mit Ratschen Lärm veranstalten, wenn der Name des Bösewichts Haman fällt. Ebenso ist es Brauch, seinen Freunden und Bedürftigen Geschenke zu schicken (Esther 9,22), sich zu kostümieren und bestimmte Speisen zu essen, zum Beispiel Hamantaschen, ein mit Mohn oder Nuss gefülltes Gebäck.